Wohnungsentkernung
Alte Ofenanschlüsse kommen dabei fast immer zum Vorschein.
Ein Schornstein steht selten für sich. Er geht durch jedes Geschoss, endet über dem Dach – und gehört fast nie nur einer Partei.
Bevor irgendjemand einen Stein anfasst, muss geklärt sein, ob an diesem Schornstein noch etwas angeschlossen ist. Diese Frage beantwortet nicht der Eigentümer, sondern der Bezirksschornsteinfeger.
In Berliner Altbauten laufen in einem Schornsteinblock mehrere Züge nebeneinander – einer für jede Wohnung, manchmal über fünf Geschosse. Was im Dachgeschoss wie ein toter Schacht aussieht, kann drei Etagen tiefer eine Gastherme entlüften.
So arbeiten wirEin stillgelegter Zug ist erst stillgelegt, wenn es schriftlich vorliegt.
Deshalb gilt bei uns eine feste Regel: Ohne Bescheinigung des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers über die Stilllegung wird nicht zurückgebaut. Das ist keine Vorsicht, sondern Voraussetzung.
Selten muss ein Schornstein vollständig verschwinden. Meist reicht ein Teilrückbau – und der ist deutlich weniger aufwendig.
Der Kopf wird bis unter die Dachfläche abgetragen, die Öffnung geschlossen und eingedeckt. Der Schacht im Haus bleibt stehen. Häufigste Variante bei Dachsanierungen.
Nur der Abschnitt in einer Wohnung wird entfernt, oben abgefangen und der Rest bleibt tragfähig. Verlangt eine statische Prüfung – der Schacht steht nicht mehr auf sich selbst.
Vom Kopf bis in den Keller, einschließlich Fundament. Das ist der Fall bei Entkernungen und beim Hausabriss.
Manchmal geht es gar nicht um den Schacht, sondern um zugemauerte Ofenanschlüsse in der Wand. Die kommen bei jeder Wohnungsentkernung zum Vorschein.
Was in Ihrem Fall ausreicht, klären wir bei der Besichtigung – meist ist es weniger, als zunächst gedacht.
Ein Schornstein, in dem jahrzehntelang Kohle und Braunkohlebriketts verbrannt wurden, ist innen kein sauberes Mauerwerk.
An den Wandungen sitzt Glanzruß – eine harte, teerhaltige Schicht, die beim Abbruch als belastetes Material anfällt. Sie gehört nicht in den Bauschuttcontainer, sondern wird getrennt gesammelt und nachgewiesen entsorgt.
Dazu kommt die Versottung: Wo Abgase kondensiert sind, haben Salze und Feuchtigkeit den Ziegel von innen zerstört. Solches Mauerwerk zerfällt beim Anfassen – das macht den Rückbau leichter und die Staubentwicklung stärker.
Der Geruch ist dabei das, was Bewohner am meisten wahrnehmen. Er hält sich einige Tage und verschwindet, wenn der Schacht verschlossen ist.
In vielen Berliner Altbauten ist der Schornsteinblock in eine tragende Wand eingebunden – oder er ist die tragende Wand.
Wo Deckenbalken auf dem Block auflagern, kann er nicht ersatzlos verschwinden. Dann wird abgefangen: Der Rest wird auf einen Träger gesetzt, der die Last seitlich weitergibt. Wie das aussieht, bestimmt ein Tragwerksplaner – dieselbe Regel wie beim Wanddurchbruch.
Ein zweiter Punkt betrifft das Dach: Der Schornsteinkopf durchdringt die Dachhaut. Wird er entfernt, entsteht ein Loch, das noch am selben Tag geschlossen werden muss. Wir arbeiten deshalb witterungsabhängig und stimmen den Termin mit dem Dachdecker ab, der den Anschluss herstellt.
Bleibt der Schacht im Haus stehen, wird er oben verschlossen und belüftet. Ein zugemauerter, unbelüfteter Schacht zieht Feuchtigkeit – und die kommt zwei Winter später als Fleck an der Zimmerdecke zurück.
Stilllegung durch den Bezirksschornsteinfeger, statische Prüfung bei Teilrückbau, Abstimmung mit dem Dachdecker.
Staubschutz im Arbeitsbereich, Abdeckung im Treppenhaus, Gerüst oder Sicherung auf dem Dach.
Stein für Stein, ohne Umstoßen. Das Material geht in Behältern nach unten, nicht durch den Schacht.
Dachanschluss dicht, Deckendurchbrüche geschlossen, Schacht belüftet abgemauert.
Besenrein, mit Fotos vom Anschluss und den Entsorgungsbelegen für das rußbelastete Material.
Ein Schornsteinkopf über Dach ist meist an einem Tag erledigt. Ein vollständiger Rückbau über fünf Geschosse dauert entsprechend länger.
Zwischen einem Hausschornstein und einem gemauerten Fabrikschlot liegen Welten – nicht nur in der Höhe.
Industrieschornsteine werden von Spezialbetrieben zurückgebaut, meist von oben mit Seilzugangstechnik oder maschinell. Ein Sprengen kommt im dicht bebauten Berlin praktisch nicht infrage.
Wir übernehmen dabei die Arbeiten, die zu unserem Handwerk gehören: die Anschlüsse im Gebäude, den Rückbau von Kanälen und Fuchs, die Demontage der Technik ringsum. Für den Schlot selbst holen wir einen Fachbetrieb dazu und koordinieren die Abläufe.
Diese Ehrlichkeit gehört zur Zusammenarbeit: Wir sagen, was wir selbst machen und was besser jemand anderes macht. Mehr dazu unter Industrierückbau.
Kaum eine Stadt hat so viele Schornsteinzüge im Bestand wie Berlin. Der Grund liegt in der Heizgeschichte.
Bis in die neunziger Jahre wurde in großen Teilen der Stadt mit Kohle geheizt. Jede Wohnung hatte ihren eigenen Ofen und damit ihren eigenen Zug. Ein Mietshaus mit fünf Geschossen und vier Wohnungen pro Etage brachte es schnell auf zwanzig Züge in wenigen Blöcken.
Mit der Umstellung auf Gas und Fernwärme wurden sie überflüssig. Viele blieben trotzdem stehen – verschlossen, ungenutzt, aber im Weg. Sie nehmen Fläche weg, verhindern Grundrissänderungen und ziehen Feuchtigkeit.
Die Dachsanierung. Wenn das Dach ohnehin offen ist, kostet der Rückbau des Kopfes am wenigsten. Ist das Gerüst wieder ab, wird es für den Schornstein allein noch einmal gestellt.
Der Dachgeschossausbau. Dort stehen die Schächte mitten im künftigen Wohnraum. Hier lohnt der vollständige Rückbau meist am deutlichsten.
Die Grundrissänderung. Wer Küche und Wohnzimmer verbinden will, stößt in Berliner Wohnungen fast immer auf einen alten Schornsteinblock in der Mittelwand.
Der Rückbau eines Hausschornsteins ist in der Regel kein eigenes Bauvorhaben, verlangt aber die Stilllegungsbescheinigung des Bezirksschornsteinfegers. Bei tragender Einbindung kommt die statische Beurteilung hinzu.
In einer Eigentümergemeinschaft ist der Schornstein Gemeinschaftseigentum – dort braucht es zusätzlich einen Beschluss.
Ja, wenn der Zug stillgelegt ist und der darüberliegende Abschnitt abgefangen wird. Ohne Abfangung steht der Rest des Schachts über Ihrer Decke ohne Auflager – das ist der Fehler, der bei Eigenleistung am häufigsten passiert.
Ein einzügiger Schornstein bringt pro Geschoss grob eine halbe bis eine Tonne Mauerwerk. Über fünf Etagen sind das mehrere Tonnen, die alle durchs Treppenhaus müssen – der Grund, warum der Transportweg den Preis bestimmt.
Zugesetzte Anschlüsse werden freigelegt, gereinigt und fachgerecht vermauert. Einfach zu verputzen reicht nicht: Der Putz reißt, und der alte Zug zieht weiter Feuchtigkeit.
Für einige Tage ja, besonders bei alten Kohlezügen. Wir arbeiten mit Absaugung und verschlossenen Behältern, danach wird gründlich gereinigt. Sitzt der Geruch tief in Putz und Estrich, hilft nur, diese Schichten ebenfalls zu entfernen.
Bei der Besichtigung sehen wir uns Dachanschluss, Schachtverlauf und die Zugbelegung an. Danach steht fest, wie weit zurückgebaut werden muss.
Alte Ofenanschlüsse kommen dabei fast immer zum Vorschein.
Wenn abgefangen werden muss, gelten dieselben Regeln.
Dort geht der Schornstein vollständig mit heraus.
Rußbelastetes Material wird getrennt und nachgewiesen entsorgt.