Entkernung
Durchbrüche gehören meist zu einem größeren Umbau.
Eine Öffnung in einer tragenden Wand ist keine Frage der Kraft. Sie ist eine Frage der Reihenfolge – und die beginnt mit einem Blatt Papier.
Wer in eine tragende Wand ein Loch schneidet, nimmt dem Haus an dieser Stelle die Auflage. Die Last verschwindet dadurch nicht – sie sucht sich einen anderen Weg.
Damit dieser Weg vorher feststeht, wird über der geplanten Öffnung ein Sturz eingebaut. Das ist ein Stahlträger oder ein bewehrtes Betonteil. Er nimmt die Last auf und gibt sie seitlich in die Wand ab. Erst wenn dieser Träger sitzt und untermörtelt ist, wird darunter geöffnet.
Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Sie ist der Unterschied zwischen einem Durchbruch und einem Riss, der zwei Stockwerke höher auftaucht.
So arbeiten wirDie Wand verzeiht keinen Schnitt, den vorher niemand gerechnet hat.
Wer den Sturz einbaut, hängt vom Fall ab. Wir arbeiten mit Fachbetrieben zusammen, die den Träger setzen – und übernehmen den Teil, den wir am besten können: das erschütterungsarme Öffnen.
Ein Durchbruch in einer tragenden Wand ist in Berlin kein reiner Handwerksvorgang. Er berührt Statik, Bauordnung und – im Mehrfamilienhaus – das Recht der anderen Eigentümer.
Ein Tragwerksplaner prüft, welche Last auf der Wand liegt, und bemisst den Sturz. Ohne dieses Papier wird bei uns keine tragende Wand geöffnet.
In einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist tragendes Mauerwerk Gemeinschaftseigentum. Eine Öffnung braucht einen Beschluss, keine Absprache am Gartenzaun.
Je nach Umfang ist der Eingriff anzeigepflichtig oder verfahrensfrei. Welcher Fall vorliegt, klärt der Planer – nicht der Bauherr aus dem Gefühl heraus.
Bei geschützter Substanz entscheidet die Untere Denkmalschutzbehörde mit. Das betrifft in Berlin mehr Häuser, als viele Eigentümer annehmen.
Liegt all das vor, ist der Schnitt selbst der einfachste Teil des Vorhabens.
Es gibt zwei Wege, ein Loch in eine Wand zu bekommen. Der eine ist laut, schnell und hinterlässt eine ausgefranste Kante. Der andere ist leise, sauber und für alles geeignet, was danach noch aussehen soll.
Ein diamantbesetztes Sägeblatt läuft auf einer Schiene an der Wand entlang und schneidet den Beton in einem Zug. Die Kante ist gerade, das Maß stimmt auf wenige Millimeter, und die Erschütterung bleibt so gering, dass an der Wand nebenan keine Fliese springt.
Das geschnittene Stück wird als Block ausgehoben und abtransportiert – nicht zerkleinert. Das spart Staub, Lärm und Zeit.
Für runde Öffnungen: Lüftungsleitungen, Rohre, Kabeltrassen. Eine Diamantbohrkrone dreht sich unter Wasserkühlung durch Stahlbeton, ohne die Bewehrung zu beschädigen.
Wo eine große rechteckige Öffnung nicht sägbar ist, setzen wir überlappende Bohrungen aneinander und trennen so den Ausschnitt heraus.
Diamanttechnik arbeitet mit Wasserkühlung. Das bindet den Staub, erzeugt aber Schlämme, die aufgefangen werden muss – mit Auffangrinne, Nasssauger und abgeklebtem Boden. In bewohnten Wohnungen ist dieser Aufwand Pflicht, nicht Zugabe.
Küche und Wohnraum verbinden. Der klassische Wunsch im Altbau: aus zwei Räumen einer machen. Betrifft fast immer eine tragende Mittelwand, weil Berliner Mietshäuser nach diesem Schema gebaut sind.
Eine zweite Tür setzen. Bei Wohnungsteilungen oder wenn ein Zimmer einen eigenen Zugang bekommen soll. Kleinere Öffnung, gleiche Regeln.
Technik durchführen. Lüftung, Abwasser, Fernwärme, Datenleitungen. Hier sind Kernbohrungen die Regel – oft dutzende in einem Haus, jede an einer Stelle, die die Bewehrung nicht schwächt.
Öffnungen im Keller. Bei einer Kellerentkernung soll aus vielen kleinen Abteilen ein nutzbarer Raum werden. Preußische Kappendecken machen das zu einer Aufgabe für die Säge, nicht für den Vorschlaghammer.
Rückbau im Gewerbe. Beim Ladenrückbau müssen Öffnungen geschlossen oder neu gesetzt werden, damit die Fläche wieder vermietbar ist.
Wenn die Vorbereitung stimmt, ist die Ausführung unspektakulär. Genau das ist das Ziel.
Die Öffnung wird nach Plan angerissen. Mit dem Ortungsgerät suchen wir Leitungen und Bewehrung, bevor gebohrt wird.
Staubschutzwand, Bodenabdeckung, Auffangwanne für das Kühlwasser. Der Nachbarraum bleibt sauber.
Träger einbauen, untermörteln, abbinden lassen. Erst wenn die Last oben liegt, wird unten getrennt.
Die Säge läuft, der Block wird herausgenommen und abtransportiert. Danach wird gesaugt, gewischt und übergeben.
Das Material ist reiner Stahlbeton und geht sortenrein in die Aufbereitung – siehe Entsorgung und Container.
Berlin hat zwei prägende Wohnbautypen, und sie verhalten sich beim Öffnen sehr verschieden.
Vollziegel im Kalkmörtel, oft ohne durchgehende Bewehrung. Das Material lässt sich leicht trennen, ist aber empfindlich gegen Schläge. Der Mörtel rieselt, und die Wand verliert Verband – weit über die Öffnung hinaus.
Hier wird zuerst der Sturz eingezogen und die Wand seitlich abgefangen. Erst dann fällt der erste Schnitt.
Tragende Innenwände aus Stahlbeton, dicht bewehrt, manchmal nur zwölf Zentimeter stark. Das Material ist hart, aber berechenbar: Die Bewehrung liegt nach Plan, nicht nach Zufall.
Öffnungen sind möglich, brauchen aber immer eine Berechnung. Die Platte ist ein System – jedes Element trägt Teil einer Kette.
Ein sauber gesägter Durchbruch ist noch keine fertige Öffnung. Es fehlen die Laibung, der Anschluss an den Bodenaufbau und, je nach Lage, der Brandschutz.
Wir übergeben die Öffnung maßhaltig, gerade und besenrein – bereit für Trockenbau, Putz oder Tür. Was danach kommt, macht der Ausbau; wir sagen nur klar, wo unsere Arbeit endet.
Hinweise sind die Wandstärke ab etwa 17 Zentimetern, ein durchgehender Verlauf über mehrere Geschosse und ein heller, harter Klang beim Klopfen. Sicherheit gibt aber nur der Grundriss mit der statischen Beurteilung.
Im Berliner Altbau sind die Wände zur Treppenhausseite und die Mittelwand fast immer tragend.
Eine Wandsäge ist deutlich hörbar, arbeitet aber gleichmäßig und ohne Schläge. Für Nachbarn ist das erträglicher als stundenlanges Stemmen. Wir halten die Ruhezeiten der Berliner Lärmschutzverordnung ein.
Das Kühlwasser wird in einer Rinne aufgefangen und mit dem Nasssauger abgezogen. Der Boden ist abgeklebt und mit Folie geschützt. In sensiblen Fällen arbeiten wir mit reduzierter Wassermenge und stärkerer Absaugung.
Ja. Diamantwerkzeug trennt Bewehrungsstahl mit. Bei Plattenbauten und Industriebauten ist das der Normalfall. Wichtig ist nur, dass die Statik den Schnitt an dieser Stelle zulässt.
Nein – und das aus gutem Grund. Die Berechnung gehört in die Hand eines Tragwerksplaners, der dafür geradesteht. Wir nennen Ihnen Büros, mit denen wir regelmäßig arbeiten, und stimmen die Ausführung mit ihnen ab.
Für die Besichtigung reicht uns zunächst ein Grundriss oder ein Foto der Wand mit einem Zollstock daneben. Daraus sehen wir meist schon, ob der Fall einfach oder aufwendig wird und welche Technik nötig ist.
Bei der Besichtigung messen wir auf, prüfen den Zugang für die Säge und sagen Ihnen, welche Unterlagen Sie brauchen. Erst danach machen wir einen Preis.
Durchbrüche gehören meist zu einem größeren Umbau.
Aus vielen Abteilen einen nutzbaren Raum machen.
Wenn nicht eine Wand, sondern ein Bauteil verschwinden soll.
Stahlbeton geht sortenrein in die Aufbereitung.