Abriss und Entkernung in Kreuzberg und Friedrichshain
Hier ist selten das Haus die Schwierigkeit, sondern die Nachbarschaft. In den dichtest bewohnten Kiezen Berlins arbeiten wir fast immer, während ringsum alle zuhause sind.
Das Haus ist voll – und bleibt es
In anderen Bezirken steht eine Wohnung leer, wenn wir kommen. Hier steht sie leer, und die zwölf anderen im Haus nicht. Nebenan wird gearbeitet, oben schläft jemand nach der Nachtschicht, unten sitzt ein Laden mit Kundschaft.
Das ändert die Reihenfolge der Arbeit. Nicht die Wand kommt zuerst, sondern der Weg: abgedeckte Flure, eine geschlossene Staubschutzwand an der Wohnungstür, ein Aushang im Treppenhaus zwei Tage vorher.
Ein Aushang mit Datum und Uhrzeit kostet nichts und nimmt den halben Ärger vorweg. Wer weiß, wann es laut wird, plant seinen Tag anders.Aus der Praxis
Warum hier keine zwei Wohnungen gleich sind
Zwischen dem Wrangelkiez und der Karl-Marx-Allee liegen keine drei Kilometer. Baulich liegen Welten dazwischen.
Auf der einen Seite die Gründerzeit: Vorderhaus, Seitenflügel, Quergebäude. Holzbalkendecken mit Schlackefüllung, Dielen, hohe Räume, enge Treppenhäuser.
Auf der anderen Seite der Großtafelbau. Zwischen 1959 und 1965 entstand nördlich und südlich der Allee der erste Wohnkomplex dieser Bauart. Dort liegen Betondecken statt Holz, und viele Innenwände tragen mit.
Für die Kalkulation ist das der Unterschied zwischen zwei Berufen. Im Altbau entscheidet die Deckenfüllung über das Gewicht. Im Plattenbau entscheidet die Frage, welche Wand überhaupt weg darf.
Was die behutsame Stadterneuerung hinterlassen hat
In den Achtzigern wurde hier nicht abgerissen, sondern gerettet. Unter dem Titel der behutsamen Stadterneuerung setzte man allein in Kreuzberg SO 36 rund 4.000 Altbauwohnungen instand, in der Luisenstadt weitere 3.000. Die zwölf Grundsätze dieser Erneuerung beschloss das Abgeordnetenhaus 1983.
Das war richtig – und es ist der Grund, warum eine Kreuzberger Wohnung heute anders aussieht als eine in Pankow.
Die Bäder wurden nachträglich in Zimmerecken gestellt. Leitungen laufen sichtbar auf Putz. Etagenheizungen kamen in vorhandene Räume. Leichtbauwände trennen, wo früher ein Zimmer war.
Wer hier entkernt, räumt deshalb zwei Bauzeiten ab: die Einbauten von 1984 und die Substanz von 1900 darunter. Das ist keine Schwierigkeit, wenn man es vorher weiß. Es ist eine, wenn man mit dem Preis für eine leere Altbauwohnung kalkuliert hat.
Was gilt an der Karl-Marx-Allee?
Die Allee steht seit den 1990er Jahren unter Denkmalschutz – und zwar als Ensemble. Geschützt sind nicht einzelne Häuser, sondern der Zusammenhang aus Gebäuden und öffentlichem Raum.
Innen ist trotzdem mehr möglich, als die meisten annehmen. Was geschützt ist, steht im Einzelfall in der Denkmalliste, und das klärt der Eigentümer mit der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Unsere Aufgabe fängt danach an: sauber trennen zwischen dem, was bleibt, und dem, was herauskommt. Wir arbeiten so, dass geschützte Bauteile unberührt bleiben – Treppenhäuser, Fenster, Fassadenkeramik.
Darf ich hier überhaupt zurückbauen?
In den meisten Fällen ja, aber nicht ohne vorher zu fragen. Friedrichshain-Kreuzberg hat elf Milieuschutzgebiete – mehr als jeder andere Berliner Bezirk. 2026 kamen die Hornstraße und Kreuzberg-Nord dazu.
Die Linie ist überall dieselbe: Instandsetzung im Bestand ist unkritisch. Genehmigungspflichtig wird es, wenn sich der Grundriss ändert oder der Standard angehoben wird.
Zwei Wohnungen zusammenlegen, ein zweites Bad einbauen, einen Durchbruch setzen – das sind Fälle für das Bezirksamt. Den Antrag stellt der Eigentümer, wir richten den Ablauf danach.
Wie wir arbeiten, wenn nebenan jemand wohnt
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Der Weg
Der Weg wird abgedeckt, bevor die erste Wanne kommt – vom Hof bis zur Wohnungstür. -
Getrennt
Getrennt wird schon in der Wohnung. Sortenrein ist die Entsorgung günstiger als eine Mischmulde. -
Von Hand
Von Hand in die Wanne, nicht durchs Treppenhaus geschüttet. Das ist der Grund, warum es hier leise bleibt. -
Stück für Stück
Die Wand geht Stück für Stück. Was daneben steht, bleibt unberührt.
Wie kommt der Schutt aus dem Hinterhaus?
Über das Treppenhaus, über den Hof, durch das Tor zur Straße. An diesem Weg hängt hier die halbe Arbeitszeit, nicht an der Fläche der Wohnung.
Deshalb messen wir bei der Besichtigung zuerst den Weg: Treppenbreite, Wendungen, Höhe und Breite der Toreinfahrt, Standplatz für den Container.
Und die Frage, die in der Oranienstraße anders ausfällt als in der Rigaer Straße: Bekommen wir eine Halteverbotszone, und ab wann gilt sie?
Wo wir hier arbeiten
In Kreuzberg im Wrangelkiez, im Graefekiez, rund um den Chamissoplatz, an der Bergmannstraße, der Oranienstraße und in der Luisenstadt.
In Friedrichshain im Boxhagener Kiez, im Samariterviertel, im Stralauer Kiez, an der Frankfurter Allee und entlang der Karl-Marx-Allee.
Unser Büro steht in der Prenzlauer Allee. Bis zur Warschauer Straße sind das zwanzig Minuten – deshalb geht eine Besichtigung hier meist noch am selben Tag.
Wenn ein Laden herausgeht
An der Oranienstraße, der Skalitzer Straße und im Boxhagener Kiez wechseln Ladenlokale oft. Eine Kneipe wird Büro, ein Späti wird Werkstatt.
Diese Räume sehen von außen leer aus und sind es nie. Hinter der Verkleidung sitzen Lüftungskanäle, Fettabscheider, Kühltechnik, Zapfanlagen, dazu Leitungen aus drei Umbauten.
Der Rückbau beginnt deshalb mit dem Trennen der Technik, nicht mit dem Abschlagen. Und mit einer Frage an den Vermieter: Was schuldet der Mietvertrag – Rückbau auf den Rohbau oder besenreine Übergabe? Das unterscheidet zwei Tage von zwei Wochen. Mehr zum Ladenrückbau.
Was den Preis hier bestimmt
Nicht die Quadratmeter. Drei andere Dinge entscheiden, und alle drei sehen wir bei der Besichtigung.
Der Weg nach draußen. Vierter Stock im Hinterhaus ohne Aufzug ist etwas anderes als Erdgeschoss mit Toreinfahrt. Jeder Eimer geht denselben Weg.
Die Schichten. Eine Wohnung mit Einbauten von 1984 über Substanz von 1900 hat doppelt so viel Material wie eine unsanierte.
Die Rücksicht. Im bewohnten Haus wird abgedeckt, abgeschottet und in Abschnitten gearbeitet. Das kostet Zeit und spart Ärger.
Wir rechnen nach Positionen ab, nicht pauschal. Was im Angebot steht, steht auch auf der Rechnung. Kommt beim Öffnen einer Wand etwas heraus, das vorher niemand sehen konnte, melden wir es mit Foto, bevor weitergearbeitet wird.
Abriss im Hof
Nicht alles hier ist Entkernung. Oft geht es um das, was hinten im Hof steht: eine Remise, ein Schuppen, eine Garagenreihe aus den Sechzigern, ein zugebauter Seitenflügel.
Solche Bauten kommen selten mit der Maschine weg. Sie stehen an der Grundstücksgrenze, zwischen bewohnten Häusern, mit einer Einfahrt von zwei Metern Breite.
Wir tragen sie deshalb von oben ab, in Abschnitten, und fahren das Material laufend weg. Was tragend an einer Nachbarwand hängt, wird vorher geprüft – eine gemeinsame Giebelwand bleibt stehen.
Größere Abrisse führen wir ebenso aus: Hausabriss, Garagen und Durchbrüche in Beton.
Was Auftraggeber hier meistens fragen
Die Mieter bleiben im Haus – geht das?
Ja, das ist hier der Normalfall. Aushang zwei Tage vorher, abgedeckte Wege, Staubschutzwand an der Wohnungstür, feste Arbeitszeiten. Wir fangen nicht um sieben an, wenn im Haus Schichtarbeiter wohnen.
Wie laut wird es, und wie lange?
Laut wird es nur in Abschnitten: beim Abschlagen von Fliesen, beim Öffnen von Wänden, beim Herausnehmen von Estrich. Das lässt sich bündeln. Wir sagen vorher, an welchen Tagen es laut wird, und halten uns daran.
Was ist mit dem Laden im Erdgeschoss?
Der bleibt offen. Wir legen den Transportweg so, dass der Eingang frei bleibt, und räumen den Hof abends. Wenn der Container vor der Tür stehen müsste, klären wir vorher einen anderen Standplatz.
Und wenn im Altbau Schadstoffe auftauchen?
Dann wird an dieser Stelle gestoppt, nicht weitergearbeitet. Typisch sind alte Bodenkleber, Dämmungen oder Fliesenkleber. Wir melden es Ihnen mit Foto, und Sie entscheiden über die Beprobung. Alles Weitere macht ein Fachbetrieb.
Was passiert mit dem Material?
Getrennt wird schon in der Wohnung: Holz, Metall, mineralischer Bauschutt und Restmüll jeweils für sich. Sortenrein ist die Entsorgung günstiger als eine Mischmulde – das kommt Ihrer Abrechnung zugute. Wie wir entsorgen.
Zwanzig Minuten vom Büro. Das merkt man an der Rückfrage, nicht am Preis.
So arbeiten wir
Sie sprechen mit dem, der die Arbeit macht. Wer zur Besichtigung kommt, macht auch den Preis – und steht am Tag der Arbeit selbst im Staub.
Die Bilder auf dieser Seite sind von unseren eigenen Baustellen. Kein Bild ist gekauft, keines gestellt.
Zwanzig Minuten, dann stehen wir vor der Tür
Schicken Sie uns die Adresse und ein paar Fotos, oder lassen Sie uns vorbeikommen. Wir sehen uns die Wohnung an, messen den Weg nach draußen und schicken das Angebot nach Positionen.