Entkernung
Der Schritt, der vor jedem Abbruch steht.
Ein Haus verschwindet nicht an einem Tag. Es verschwindet in einer Reihenfolge – und die längste Zeit vergeht, bevor die erste Maschine anrollt.
Kunden fragen zuerst, wie lange der Abriss dauert. Die ehrliche Antwort lautet: Der Abriss selbst dauert Tage, die Vorbereitung Wochen.
In Berlin ist der Abbruch baulicher Anlagen nach der Bauordnung für Berlin anzuzeigen. Größere Gebäude brauchen zusätzlich die Bestätigung eines Tragwerksplaners, dass die Standsicherheit der Nachbarbebauung während des Rückbaus gewahrt bleibt.
Dazu kommen Punkte, die kein Formular erzwingt und die trotzdem jedes Vorhaben aufhalten:
So arbeiten wirDas Papier kostet Wochen, der Bagger kostet Tage. Deshalb fangen wir mit dem Papier an.
Wir sagen bei der Besichtigung, welche Unterlagen fehlen. Ein Angebot ohne diese Klärung wäre eine Schätzung, kein Preis.
Berlin ist eine dicht gebaute Stadt auf sandigem Untergrund mit einer sehr eigenen Geschichte. Das prägt jeden Abbruch.
Berliner Häuser stehen Wand an Wand. Fällt eines, wird die Wand des Nachbarn zur Außenwand – und muss gesichert, abgedichtet und gedämmt werden. Das gehört zum Abbruch, nicht danach.
Für weite Teile des Stadtgebiets liegen Luftbildauswertungen vor. Wo ein Verdacht besteht, wird vor dem Erdeingriff sondiert. Das ist Routine, kein Ausnahmefall.
Bäume ab 80 Zentimetern Stammumfang sind geschützt. Auch die Wurzelbereiche – der Bagger darf nicht überall stehen, wo Platz wäre.
Hinterhöfe, Durchfahrten von 2,20 Metern, Straßen ohne Halteverbot. Die Maschinengröße richtet sich nach der Einfahrt, nicht nach dem Haus.
Jeder dieser Punkte kostet Zeit, wenn er zu spät auffällt – und fast nichts, wenn er von Anfang an mitgeplant wird.
Ein Haus einfach zusammenzuschieben, ist heute weder erlaubt noch sinnvoll. Was herauskommt, wäre ein Gemisch, das niemand verwerten kann.
Stattdessen wird in Schichten gearbeitet. Zuerst kommt alles heraus, was kein Baustoff ist: Möbel, Bodenbeläge, Rohre, Kabel, Dämmung. Dann folgen Bauteile, die getrennt verwertet werden – Holz, Metall, Glas, Kunststoff. Erst am Ende geht die Maschine an die Substanz.
Diese Entkernung vor dem Abbruch ist der aufwendigste Teil – und der, der die Kosten senkt. Was sortenrein getrennt ist, kostet in der Entsorgung einen Bruchteil von gemischtem Abfall.
Das Holz aus einem Dachstuhl ist der Posten, bei dem sich das Trennen am deutlichsten rechnet. Unbehandeltes Bauholz geht als eigene Fraktion weg. Mit Dämmung, Folie und Nägeln vermischt wäre es Baumischabfall.
Über 90 Prozent der Masse eines Berliner Wohnhauses sind mineralisch und damit verwertbar. Das ist der Grund, warum sauberer Rückbau nicht nur umweltfreundlicher ist, sondern am Ende weniger kostet.
Schadstoffe beproben, Anzeige einreichen, Hausanschlüsse für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme stilllegen lassen. Ohne diese Trennung wird nicht begonnen.
Bauzaun, Zufahrt, Stellfläche für Container. Nachbargebäude werden vorher mit Fotos und Rissprotokoll dokumentiert.
Alles Nichttragende heraus, getrennt gesammelt und abgefahren. Hier entsteht der größte Teil der Arbeitszeit.
Geschoss für Geschoss, mit Sortiergreifer statt Kugel. Wasser bindet den Staub, der Schutt wird laufend abgezogen.
Fundamente und Kellersohle werden herausgenommen, soweit vereinbart. Öltanks und Sickergruben gehören dazu.
Die Grube wird mit geeignetem Material verfüllt, lagenweise verdichtet und die Fläche eingeebnet. Am Ende steht ein Grundstück, auf dem gebaut werden kann.
Ein Abbruch im bewohnten Quartier ist ein Eingriff in den Alltag von Menschen, die nichts damit zu tun haben. Wie damit umgegangen wird, entscheidet über den Verlauf.
Vor dem Beginn gehen wir durch die angrenzenden Häuser und dokumentieren den Zustand: Fotos, Rissprotokoll, wo nötig Messmarken. Das schützt beide Seiten – die Nachbarn vor unbemerkten Schäden und uns vor Forderungen für Risse, die seit 1998 in der Wand stehen.
Während der Arbeiten gelten die Berliner Ruhezeiten. Staub wird mit Wassernebel niedergehalten, die Zufahrt sauber gehalten, der Gehweg gefegt. Wer über Wochen neben einer Baustelle wohnt, merkt den Unterschied.
Nach dem Abbruch bleibt die Brandwand des Nachbarhauses stehen – jetzt als Außenwand. Sie wird gesichert und witterungsdicht verschlossen, bis der Neubau anschließt.
Ein Abbruchpreis ist keine Quadratmeterzahl. Er setzt sich aus wenigen Faktoren zusammen, die sich bei der Besichtigung ablesen lassen.
Die Masse. Umbauter Raum in Kubikmetern, nicht die Wohnfläche. Ein Haus mit hohen Altbaudecken bringt bei gleicher Grundfläche deutlich mehr Material.
Die Bauweise. Ziegel im Kalkmörtel löst sich leichter als Stahlbeton. Eine Holzbalkendecke ist schneller unten als eine preußische Kappendecke.
Der Zugang. Steht die Maschine direkt am Haus oder muss durch eine Hofdurchfahrt gearbeitet werden? Das ist in Berlin der Punkt mit dem größten Ausschlag.
Die Schadstoffe. Asbest, künstliche Mineralfasern, teerhaltige Abdichtungen. Jeder Fund verlangt ein eigenes Verfahren und eigene Nachweise.
Der Nachbar. Freistehend ist einfach. Zwischen zwei bewohnten Häusern eingebaut heißt: abfangen, sichern, in kleinen Schritten arbeiten.
Wir nennen einen Preis erst, wenn diese fünf Punkte geklärt sind. Alles davor wäre eine Hausnummer, an der später niemand festhalten könnte.
Der Abbruch ist in Berlin grundsätzlich anzuzeigen. Ob darüber hinaus ein Verfahren nötig ist, hängt von Größe, Lage und Schutzstatus des Gebäudes ab. Bei denkmalgeschützter Substanz entscheidet die Denkmalschutzbehörde – dort ist ein Abriss die Ausnahme.
Welcher Fall vorliegt, klären wir gemeinsam mit dem Planer, bevor irgendetwas terminiert wird.
Die reine Ausführung liegt meist bei ein bis zwei Wochen, davon entfällt der größere Teil auf das Entkernen. Der Vorlauf mit Anzeige, Schadstoffprüfung und Abklemmen der Anschlüsse dauert erfahrungsgemäß vier bis acht Wochen.
Das entscheidet, was danach gebaut wird. Wird neu unterkellert, kommt alles heraus. Bleibt die Fläche unbebaut, wird oft nur die Decke entfernt und der Rest verfüllt. Das spart einen erheblichen Teil der Kosten, muss aber mit dem Planer abgestimmt sein.
Vor dem Rückbau wird beprobt. Bestätigt sich der Verdacht, übernimmt ein zugelassener Fachbetrieb die Sanierung nach der Technischen Regel TRGS 519, bevor der eigentliche Abbruch beginnt.
Wir treffen dazu keine Einschätzung nach Augenschein. Das kann niemand seriös.
Bei größeren Flächen ja. Ein mobiler Brecher macht aus dem mineralischen Anteil Recyclingmaterial, das gleich zur Verfüllung genutzt wird. Das spart Transporte und Deponiekosten – lohnt sich aber erst ab einer bestimmten Menge.
Ob sich das rechnet, sagen wir nach der Besichtigung. Entscheidend sind die Menge, der freie Platz auf dem Grundstück und die Entfernung zur nächsten Aufbereitungsanlage.
Was ein Abriss kostet und wie lange er dauert, hängt weniger an der Menge als am Ort. Eine Garage im Hinterhof von Kreuzberg ist etwas anderes als dieselbe Garage in Zehlendorf, wo der Container auf dem eigenen Grundstück steht.
Für jeden Teil der Stadt haben wir aufgeschrieben, worauf es dort ankommt: Prenzlauer Berg · Neukölln & Britz · Kreuzberg & Friedrichshain · Mitte & Wedding · Charlottenburg & Wilmersdorf · Tempelhof & Schöneberg · Steglitz & Zehlendorf · Lichtenberg & Marzahn · Treptow & Köpenick · Spandau & Siemensstadt · Reinickendorf & Tegel.
Bei der Besichtigung sehen wir uns Zufahrt, Nachbarbebauung und Bausubstanz an. Danach wissen Sie, was zu klären ist und was es kostet.
Der Schritt, der vor jedem Abbruch steht.
Wenn nicht das Haus, sondern ein Anbau verschwinden soll.
Wohin die Masse geht und warum Trennen sich rechnet.
Der kleine Bruder – oft im selben Zug erledigt.